11.09.2026
Experten des TUM Klinikums erklären zum Welt-Sepsistag:

So erkennt man eine Sepsis

Am 13. September ist Welt-Sepsis-Tag, der international genutzt wird, um das öffentliche Bewusstsein für das Thema "Sepsis" zu stärken. Unsere Experten erklären, was eine Sepsis ist, woran man sie erkennt, wie sie behandelt wird und was am TUM Klinikum im klinischen Alltag sowie in der Forschung getan wird, um die Sepsis besser zu verstehen und gezielter zu behandeln.
Sepsis

Was ist eine Sepsis?

„Wie die Hölle auf Erden…“, „wie vom Laster überfahren zu werden…“, „als ob man sterben muss…“ - so und ähnlich beschreiben Überlebende das Gefühl bei einer Sepsis.

Eine Sepsis ist eine fehlregulierte Immunantwort des Körpers auf eine Infektion und ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall. Sie kann sich aus jeder Infektion entwickeln und schnell bis zum Multiorganversagen führen.

Mindestens 230.000 Menschen erkranken und mindestens 85.000 sterben jährlich in Deutschland an einer Sepsis. Da diese häufig nicht erkannt oder dokumentiert wird, dürfte die tatsächliche Zahl noch deutlich höher sein. Im Krankenhaus sterben doppelt so viele Menschen an einer Sepsis wie an einem Schlaganfall und an einem Herzinfarkt zusammen. Weltweit ist die Sepsis eine der häufigsten Todesursachen. Und auch nach einer überstandenen Sepsis können gesundheitliche Folgen bleiben. 

Viele Todesfälle wären vermeidbar, wenn eine Sepsis früh erkannt und sofort behandelt würde. Leitsymptome, die einzeln oder zusammen auftreten können, sind starke Schmerzen mit einem nie gekannten Krankheitsgefühl, Verwirrtheit, Atemnot, Herzrasen, niedriger Blutdruck sowie kalte, feuchte und fleckige Haut.

Schnell handeln

Beim Verdacht auf eine Infektion und den genannten Warnzeichen gilt: Holen Sie sofort medizinische Hilfe. Wählen Sie bei einem ernsten Zustand oder einer raschen Verschlechterung den Notruf 112 und fragen Sie am besten direkt: „Könnte das eine Sepsis sein?“


 

Was tun wir am TUM Klinikum?

„Am TUM Klinikum stellen wir eine schnelle und konsequente Behandlung der Patientinnen und Patienten sicher,“ sagt PD Dr. Markus Heim, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. „Bereits in der Notaufnahme und auf den Normalstationen werden sie systematisch auf eine mögliche Sepsis untersucht. Ein Ampelsystem hilft dabei, die unmittelbare Bedrohung für Patientinnen und Patienten zu erkennen. Bei Verdachtsfällen stehen unsere medizinischen Einsatzteams der Intensivstationen des Hauses zur Ersteinschätzung und zur schnellen, zielgerichteten Behandlung 24 Stunden an sieben Tagen der Woche zur Verfügung.“

Bei einer Sepsis zählt jede Minute und in der sogenannten „goldenen Stunde“, also der ersten Stunde nach der Diagnose, muss ein Bündel von Sofortmaßnahmen eingeleitet werden. Dazu gehören die Entnahme von mikrobiologischen Proben zur Diagnosesicherung und zur späteren spezifischen Therapie sowie die Gabe von Flüssigkeit und Breitband-Antibiotika, ggf. eine medikamentöse Unterstützung des Kreislaufs.
 

PD Dr. Markus Heim Copyright©© K. Czoppelt, TUM Klinikum
Bei einer Sepsis zählt jede Minute! PD Dr. Markus Heim ist Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am TUM Klinikum.

Unser Team aus speziell geschulten Antibiotika-Stewards unterstützt die behandelnden Pflege- und Ärzteteams und erarbeitet Empfehlungen zur Auswahl und Anpassung spezifischer Therapien mit Antiinfektiva.

 

Was tun wir in der Forschung?

Als Universitätsklinikum wollen wir eine Sepsis nicht nur bestmöglich behandeln, sondern auch besser verstehen. In klinischen und experimentellen Forschungsprojekten untersuchen wir, wie sich die Erkrankung früher erkennen und ihr Verlauf zuverlässiger beurteilen lässt. Gleichzeitig erforschen wir neue diagnostische und therapeutische Ansätze.

„Unsere Forschung reicht von neuen Verfahren zur schnellen Untersuchung von Blutzellen, über die Erforschung des möglichen Einsatzes von Bakteriophagen bis hin zur Erforschung neuer Ansätze der Sepsistherapie. Damit wollen wir eine Sepsis früher erkennen und besser verstehen sowie die Grundlage für innovative Sepsistherapien schaffen,“ sagt PD Dr. Martin Schlegel, Oberarzt und Leiter Forschungsgruppe Sepsis und Inflammation am TUM Klinikum.

Foto PD Dr. Martin Schlegel Copyright©© TUM Klinikum
Innovative Sepsistherapien: Forschende wie PD Dr. Martin Schlegel, Oberarzt und Leiter der Forschungsgruppe Sepsis und Inflammation am TUM Klinikum, schaffen die Grundlage.


Fachleute aus Medizin, Pflege und Wissenschaft arbeiten am TUM Klinikum eng zusammen - von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Behandlung künftig noch gezielter auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abzustimmen.