Neue Ära in der Schlaganfall-Therapie am Klinikum rechts der Isar

Neue Ära in der Schlaganfall-Therapie am Klinikum rechts der Isar

Das Klinikum rechts der Isar geht neue Wege in der Schlaganfalltherapie: Eine neue Angiographieanlage – die weltweit erste ihrer Art –, viel Erfahrung mit modernsten Methoden und ein bayernweit fliegender Notfalldienst machen die Versorgung der Patienten noch besser.

Bei einem Schlaganfall verstopft ein Blutgerinnsel die Hirnarterie. In der Vergangenheit war die Standardtherapie die medikamentöse Auflösung des Gerinnsels, die sogenannte Lyse. In den letzten Jahren hat nun die Einführung einer zusätzlichen Katheter-basierten Therapie die Prognose für Betroffene rasant verbessert. Hier wird zunächst der Thrombus mit Hilfe einer speziellen Darstellung der Hirngefäße (Angiographie) lokalisiert, dann führen die Ärzte einen Katheter an die entsprechende Stelle und entfernen das Gerinnsel (Thrombektomie). Durch die Katheter-Therapie kann der Anteil der Patienten, die ohne wesentliche Behinderung aus einem Schlaganfall hervorgehen, von 40 auf bis zu 70 Prozent gesteigert werden, die Mortalität lässt sich um bis zu 50 Prozent senken. Zudem verlängert sich durch dieses Verfahren der Zeitrahmen, in dem eine Schlaganfallbehandlung noch erfolgversprechend ist, deutlich über die bisher üblichen 4,5 Stunden hinaus. Am Klinikum rechts der Isar hat man mit dieser endovaskulären Therapie beim Schlaganfall schon viel Erfahrung: Bereits vor zehn Jahren haben hier die Ärzte begonnen, diese Methode einzusetzen; seit kurzem ist sie nun auch in den Leitlinien der deutschen Fachgesellschaften fest verankert.

Für den Einsatz der Katheter-Therapie stehen in der Abteilung für Neuroradiologie modernste technische Möglichkeiten zur Verfügung. Eine neue Angiographie-Anlage – die weltweit erste ihrer Art – ermöglicht es nun, die Therapie von Patienten mit akuten Schlaganfällen weiter zu verbessern. Prof. Claus Zimmer, Leiter der Neuroradiologie, erläutert die Vorteile: „Bei dem neuen Gerät ist die Bildqualität deutlich besser geworden, so dass wir selbst winzige Details an den Gefäßen des Gehirns sehr genau erkennen können. Zudem ist die Strahlungsdosis im Vergleich zu älteren Geräten deutlich reduziert. Bisher haben wir bei jedem Schlaganfall vor der Katheter-Behandlung eine Computertomographie (CT) des Gehirns gemacht. Unser Ziel ist, künftig darauf zu verzichten, um schneller mit der eigentlichen Behandlung beginnen zu können“.

An der neuen Anlage führen die Ärzte wöchentlich zwischen 15 und 20 Angiographien durch. Zudem wird sie in der Aus- und Weiterbildung eingesetzt: Ein ganz besonderer Fortschritt der neuen Anlage ist es, dass sich dort Katheter-Therapien simulieren lassen – eine ideale Möglichkeit, diese komplexen Eingriffe unter äußerst realen Bedingungen zu üben. Prof. Zimmer: „So wie Piloten am Flugsimulator trainieren, können damit nun auch Ärzte die komplizierten Eingriffe am Gefäßsystem des Gehirns am Simulator üben.“

Team der Neuroradiologie mit Angiographie-Anlage

Prof. Claus Zimmer (links) mit Mitarbeitern vor der neuen Angiographie-Anlage.

Bayernweit schnelle Hilfe

Ein neuer Notfalldienst sorgt dafür, dass Menschen mit Schlaganfall auch außerhalb der spezialisierten Zentren viel schneller Hilfe erhalten als bisher. Fachärzte des Klinikums rechts der Isar und der städtischen Klinik Harlaching haben dazu mobile Einsatzteams gebildet. Diese Teams unterstützen als „Flying Interventionalists“ (FIT) das bayernweite Telemedizinische Projekt zur integrierten Schlaganfall-Versorgung, kurz TEMPiS. Das Projekt schließt 21 regionale Kliniken ein, elf davon fliegen die Münchner Ärzte jetzt per Hubschrauber an.

"Time ist brain – Zeit ist extrem wichtig. Jede Minute sterben zwei Millionen Nervenzellen, kein Gewebe reagiert so sensibel, wenn es nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, wie das Gehirn", sagt Dr. Christian Maegerlein. Der Oberarzt für diagnostische und interventionelle Neuroradiologie ist vor kurzem seinen ersten Einsatz geflogen. Ziel: die Kreisklinik Ebersberg. Ergebnis: 55 Minuten nach dem Start war das verschlossene Hirngefäß eines Patienten mit akutem Schlaganfall wieder durchblutet. „Wenn Patienten von einer Klinik im ländlichen Raum in ein spezialisiertes Neurozentrum transportiert werden, dauert es im Schnitt 100 Minuten länger, bis die Behandlung erfolgt“, schildert Maegerlein.

Dass dem Patienten in Ebersberg so schnell geholfen werden konnte, lag nicht zuletzt an moderner Technik. Die fliegenden Neuroradiologen sind mit mobilen Kathetern für die Thrombektomie ausgestattet. So stehen den Schlaganfall-Opfern auch in ländlichen Regionen die modernsten Methoden der Behandlung zur Verfügung.

Die Spezialisten im Klinikum rechts der Isar und in Harlaching arbeiten in dem Projekt eng zusammen. „Es findet ein intensiver Austausch statt“, sagt Maegerlein. Auch die Kliniken in der Region profitieren fachlich. Sie sind im Vorfeld umfassend geschult worden.

Die mobilen Einsatzteams rechnen zunächst mit fünf Flügen pro Woche. Die Erfahrungen in den kommenden Monaten sollen zeigen, ob der neue Notfalldienst in die Regelversorgung übernommen werden kann. Finanziert werden TEMPiS und FIT von den Bayerischen Krankenkassen.

Hubschrauber bringt Schlaganfall-Spezialisten zum Notfall

Die fliegenden Schlaganfall-Spezialisten auf dem Weg zu einem Notfall.

Symposium am 28. Februar

Ein Symposium am 28. Februar gibt einen Überblick über die Neuerungen und technischen Entwicklungen in der Schlaganfalltherapie. Die Veranstaltung findet ab 14:30 Uhr im Hörsaal C statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Infos zum Symposium unter http://www.mri.tum.de/veranstaltungen/neue-aera-der-behandlung-von-akuten-schlaganfaellen oder Tel. 089 4140-4651.
Beteiligte Fachbereiche und Kliniken: 

Diagnostische und Interventionelle

Klinik und Poliklinik für

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